Dienstag, 19. September 2017

Neu: Öffentlicher Bücherschrank in Würzburg!

Ich denke mal, jeder von uns kennt sie und hat vielleicht einen von ihnen in seinem Heimatort stehen. Die Rede ist von öffentlichen Bücherschränken.

Für die, die sie nicht kennen: Das sind Schränke oder Regale, die an einem öffentlichen Platz stehen und in die man Bücher stellen kann, die man nicht mehr braucht. Ein anderer kann sich dann ein oder mehrere Bücher rausnehmen. Und so entwickelt sich ein munteres Tauschgeschäft. :-)

Bei uns in Würzburg gab es bislang leider nur einen (mir bekannten) Bücherschrank. Der steht zwar dankenswerterweise bei mir quasi um die Ecke in einem Waschsalon, aber er ist nicht vielen bekannt und man findet meist lange Zeit immer die gleichen alten Kamellen dort. 

Jetzt wurde aber in der Innenstadt endlich ein richtiger Bücherschrank eröffnet. Wie hat mir das Herz geblutet, als ich davon las, denn ich befand mich just zu diesem Zeitpunkt im Auslandsurlaub. Der Schrank wurde Anfang August vom Oberbürgermeister höchstpersönlich eröffnet und ist ein Gemeinschaftsprojekt von der hiesigen Stadtbücherei und einigen inhabergeführten Buchhandlungen. Und die haben den Schrank zur Eröffnung prall gefüllt mit Büchern. Und ich war nicht da, aaaaaah!!!

Die eine Seite ist sogar für Kinder- und
Jugendliteratur vorgesehen. Nice try, aber das
klappt leider gar nicht, dass hier nach Genre
eingeräumt wird...

Als ich dann nach dem Urlaub zum ersten Mal hinkonnte, stand der Schrank schon ein paar Wochen. Schick ist er ja mit seinen Glastüren und so. Aber ich war beim ersten Besuch etwas enttäuscht. Es waren vor allem alte Schinken drin, die sonst auch keiner haben will. Quasi Altpapierentsorgung. 

Mittlerweile war ich schon ein paar Male dort, hab natürlich das ein oder andere Buch reingestellt, und das Angebot wechselt ständig. Manchmal findet sich schon das eine oder andere moderne, interessante Buch. Überwiegend finden sich dort halt so alte muffige Bücher. Aber das bleibt wohl nie aus, dass diese meist in einem öffentlichen Bücherschrank dominieren. Außerdem stehen die Bücher meist nicht in Reih und Glied, sondern sind wild durcheinander geschmissen. Bei meinem letzten Besuch hatte ich aber den Eindruck, dass mal ein bisschen aufgeräumt und aussortiert wurde. Es ist wirklich gut, wenn es bestimmte Ansprechpartner gibt, die sich darum regelmäßig kümmern, sonst besteht echt die Gefahr, dass der Schrank ein bisschen zugemüllt wird.

Es freut mich auch, dass ich eigentlich nie alleine am Schrank stand und er von der Bevölkerung wirklich gut angenommen wird. 


Ich bin froh, dass wir hier endlich mal einen richtigen öffentlichen Bücherschrank haben, denn der hat Würzburg als Kulturstadt wirklich noch gefehlt!

Montag, 18. September 2017

Buch-Zitat des Tages

https://www.amazon.de/Flaschenpost-M%C3%B6rder-Fall-Kripo-Wattenmeer-ebook/dp/B0744NCZ7X
 aus: "Flaschenpost vom Mörder" von Ulrike Busch (S. 39f.)

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"So ganz Unrecht scheint euer Inselreporter mir aber nicht zu haben, wenn er meint, dass der Fall Nina Asmus damals nicht korrekt recherchiert worden ist. Wenn man dem, was er rausgefunden hat, Glauben schenken darf, hat dein Kollege, der zu dem Zeitpunkt das Kommissariat auf Amrum geleitet hat, die Ermittlungen ziemlich luschig geführt. Speziell geht es um den Rechtsmediziner, der den Obduktionsbericht erstellt hat. Es heißt, er könnte den Bericht fingiert haben und dein Kollege hätte alle Zweifel an sich abprallen lassen. Wie siehst du denn die Sache?"

Kuno überlegte, was er darauf erwidern sollte. Wenn er ehrlich sein wollte, konnte er Arnes Vorbehalte nicht ganz zurückweisen. Das Gerede über die mutmaßliche familiäre Verstrickung des Gerichtsmediziniers in den Fall hatte auch er damals am Rande mitbekommen. Das würde sich heute kaum mehr nachprüfen lassen, sofern die Akten üerhaupt nocht existierten. Schließlich lag das Unglück zwanzig Jahre zurück und hatte, soweit er wusste, als abgeschlossen gegolten. Er selbst hatte die Sache allerdings nur aus der Ferne verfolgt. Auf jeden Fall fühlte er sich veranlasst, seinen Kollegen Hautpkommissar, der die Untersuchungen damals geleitet hatte und der einige Jahre später im Dienst einen Herzinfarkt erlegen war, Arne gegenüber zu verteidigen.

"Es gab seinerzeit einfach keinen Anhaltspunkt dafür, dass Nina Asmus gewaltsam ums Leben gekommen wäre. Es lagen Fakten vor, die zu der Erkenntnis geführt haben, dass es ein Unglück war. Nina hatte mit niemandem Streit, es war ein fröhlicher Abend. Sie hat ausgelassen gefeiert, war alkoholisiert und hat sich ziemlich leichtsinnig verhalten. Geh du mal besoffen ins Meer. Nein, um Himmels willen, lass es lieber bleiben."  Bei Arne konnte man nie sicher sein, ob er nicht auf die Idee käme, die Situation live nachzustellen. (...)

Du würdest also nicht unbedingt einen Anlass sehen, den Fall wiederaufzunehmen?" Arnes Stimme klang so, als hätte er seinerseits bereits eine andere Entscheidung getroffen.
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Sonntag, 17. September 2017

Rezension: "Die Phantasie der Schildkröte" von Judith Pinnow

Daten zum Buch:
erschienen am: 24. August 2017
Verlag: FISCHER Krüger
ISBN: 9783810530356
416 Seiten
Preis: 19,99 € (HC)
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Zum Inhalt:
Edith ist Mitte 40, Single und arbeitet bei einer Versicherungsgesellschaft. Sie liebt die Routine, legt sich am Sonntag ihre Outfits für die ganze Woche zurecht, macht erst Mittagspause, wenn sie 12 Fälle bearbeitet hat und hat auch ansonsten einen streng durchstrukturierten Alltag. Sie hat keinerlei Freunde, und das wöchentliche Treffen mit ihrer Mutter, die kein gutes Haar an ihr lässt, ist unliebsamer Wochenhighlight.

Eines Tages trifft sie im Aufzug ein zehnjähriges Mädchen, das ihr Aufgaben stellt. Edith nimmt das Kind, das sich Schneewittchen nennt, nicht weiter ernst, hat sie Kinder doch noch nie sonderlich gemocht. Aber Schneewittchen mischt sich immer häufiger ungefragt in ihr Leben ein, und die Erfüllung ihrer Aufgaben treibt Edith immer weiter aus ihrem Schildkrötenpanzer hinaus in die echte Welt.

Meine Meinung:
Edith war mir anfänglich total unsympathisch. Sie ist eine regelrechte Soziopathin und wirkt leicht autistisch. Mit der Zeit erfährt man aber, woher dieses Verhalten kommt, und dank Schneewittchen und anderen Menschen, die in ihr Leben treten, verändert sie sich stark und wird einem mit jeder Seite sympathischer. Dennoch muss ich zugeben, dass ich keine wirkliche Bindung zu ihr aufbauen konnte.

Schneewittchen ist ein aufgewecktes, altkluges Kind, das Edith auf Schritt und Tritt folgt. Sie ist sicherlich jedem sympathisch, auch wenn es mir bei ihr genauso ging wie bei Edith und ich keinen emotionalen Zugang zu dieser Figur fand.

Neben den beiden Protagonistinnen treten eine weitere Reihe interessanter und ungewöhnlicher Charaktere auf. Am unsympathischsten ist hier definitiv Ediths Mutter, die wirklich nur schimpfen und beleidigen kann. Die anderen Figuren, die so nach und nach in Ediths Leben treten und eine wichtige Rolle einnehmen, sind da zum Glück schon viel sympathischer, so dass hier am Ende eine kunterbunte, amüsante Besetzung auftritt, die Ediths Leben und das Lesevergnügen bereichern. Dank dieser Menschen entwickelt sich Ediths graues Leben sehr zum Positiven. Sie emanzipiert sich, findet Freunde, schwänzt ihre Arbeit, wird spontan und interessiert sich sogar für Männer. 

Ediths Verwandlung ist für den Leser erfreulich und voraussehbar, geht mir persönlich aber zu schnell. Hier hätte ich mir ein gemäßigteres Tempo gewünscht. Zwar behält sie einige ihrer Macken, aber diese verkümmern eigentlich eher zu Schrullen, die jedermann haben kann. Befremdlich bis zum Schluss fand ich ihre fiktiven Unterhaltungen mit der Schildkröte Mechthild und ihrer Wunschfreundin, die Moderatorin ihrer Lieblingssendung.

Die Handlung entwickelt sich rasant, und es gibt so einige amüsante Erlebnisse, die Ediths Leben kräftig durcheinander wirbeln. Die Geschichte ist sehr humorvoll, manche Szenen wirken regelrecht slapstickhaft (Ich sage nur: Verfolgungsjagd einer mutmaßlichen Mörderin). Da sie aus Ediths Sicht geschrieben ist, hat man Anteil an ihren Gefühlen und Gedanken, und diese sind oft recht skurril und komisch. Aber es werden auch ernste Themen angesprochen. Vor allem geht es hier viel um Selbstliebe und Toleranz.

Dreht sich anfangs alles um Ediths und Schneewittchens Beziehung und die Aufgaben, die Edith zu lösen hat, stehen diese ab circa der Hälfte des Buches allerdings etwas zurück. Ich persönlich fand das aber ganz gut, da Ediths Veränderung so das "Werk" mehrerer Personen war und nicht nur das eines ominösen Mädchens, von dem keiner weiß, wo es herkommt.
 
Die letzte Aufgabe - die ich hier natürlich nicht verraten werde - passt dann eigentlich nicht so recht zu den vorherigen, zumal sie von einem zehnjährigen Kind gestellt wird, das zwar für sein Alter sehr weise, aber trotzdem noch kindlich ist. Hier hatte ich das Gefühl, dass die Autorin zu viel für Edith wollte und diese in kürzester Zeit quasi alles, was sie im Leben verpasst hat, nachholen sollte.

Wer genau Schneewittchen ist, erfährt man nicht zur vollen Zufriedenheit. Meine Vermutung hat sich teilweise bestätigt, und mir hätte eine etwas bodenständigere Erklärung besser gefallen.

"Die Phantasie der Schildkröte" ist kurzweilige Unterhaltung mit einem sehr guten Ansatz, mir ging jedoch die Entwicklung der Protagonistin viel zu schnell und ab der Hälfte des Buches fehlte mir irgendwie der anfängliche Zauber der Geschichte.

3,5 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an LovelyBooks für dieses Rezensionsexemplar!

Mittwoch, 13. September 2017

Buch-Zitat des Tages

aus: "Schampus Küsschen Räuberjagd - Ein rabenschwarzer Pauline-Miller-Krimi" von Tatjana Kruse (S. 99f.)
 

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"Ich schwitze!" 

"Du ziehst die Strumpfhose nicht aus!"

Bröcki und ich kauern keuchend hinter dem Mauervorsprung. Nur diese paar Ziegel, von bröselndem Mörtel zusammengehalten, bieten uns Sichtschutz, falls unten auf der Gasse wieder eine Streife patrouilliert.

Im Grund war es fast zu einfach: Das Gerüst hat keinen Kletterschutz. Wir sind mühelos aufs Dach gekommen. Na ja, nicht wirklich mühelos.

"Du musst dir das echt nicht antun", habe ich unten in der Gasse noch geflüstert. Bröckis Kleinwüchsigkeit ist für unsere Patchworkgruppe gelebte Normalität und fällt uns normalerweise nicht auf. Nur eben in Extremsituationen. Wie beim Gerüstklettern. Für den Sprossenabstand muss sie quasi in Spagat gehen.

"Ich dann dich das nicht allein durchziehen lassen", hat Bröcki geantwortet. "Es hängt zu viel davon ab, und allein vermasselst du es nur."

Bei mir sind nur Brustkorb und Sprechapparatur durchtrainiert, nicht die Beine, weswegen ich jetzt schon Muskelkater in den Oberschenkeln habe. Obwohl es gerade mal drei Stockwerke hochging. (...)

"Das Klettern hat mich angestrengt. Lass mich diese blöde Strumpfmaske absetzen. Es ist doch keiner da, der uns sehen kann!" (...)

Ich trage natürlich nicht irgendeine Drogeriestrumpfhose über dem Kopf, sondern die Cilou Tights von Wolford, eine zweifarbige Netzstrumpfhose de luxe in faszinierender Karo-Optik, deren Tragekomfort am Bein nicht zu toppen ist. Aber am Kopf sitzt sie dann doch etwas eng. 
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Sonntag, 10. September 2017

Rezension: "Die Wurzel alles Guten" von Miika Nousiainen

Daten zum Buch:
erschienen am: 21. August 2017
Verlag: Nagel & Kimche
ISBN: 9783312010387
255 Seiten
Preis: 20,00 € (HC)
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Zum Inhalt:
Pekka Kirnuvaara lebt in Helsinki, ist geschieden, sieht seine beiden Kinder jedes zweite Wochenende und arbeitet als Werbetexter. Seinen Vater hat er nie kennengelernt, seine Mutter ist alles andere als gut auf diesen zu sprechen, das Thema war schon immer ein großes Tabu zuhause.

Als er eines Tages auf dem Behandlungsstuhl des Zahnartes Esko Kirnuvaara landet, fällt ihm eine frappierende Ähnlichkeit zwischen ihm und Esko auf. Auch der Nachname kann doch kein Zufall sein, oder? Tatsächlich stellt sich heraus, dass Esko seinen Vater ebenfalls nicht kennt. Aber der biedere, introvertierte Zahnarzt hat im Gegensatz zu Pekka keinerlei Interesse, diesen Umstand zu ändern.

Letztendlich kann Pekka Esko doch noch überreden, nach dem gemeinsamen Vater zu suchen. Und ihre Reise führt sie nicht nur durch die ganze Welt, sondern hält auch so einige Überraschungen für das ungleiche Brüderpaar bereit.

Meine Meinung:
Die Geschichte wird abwechselnd aus Pekkas und Eskos Sicht erzählt, wobei Pekka deutlich mehr erzählt, während Eskos Passagen eher kurz waren. Ich fand das passend, denn es spiegelt die unterschiedlichen Charaktere der beiden wider.

Pekka war mir von Anfang an sympathisch. Er ist ein liebevoller Sohn und Vater und steht allem offen gegenüber, geht auf Menschen zu. Amüsant ist seine Angst vor dem Zahnarzt, die letztendlich dazu führt, dass er sich bei Esko einer aufwändigen Behandlung unterziehen muss.

Mit Esko hingegen musste ich erstmal warm werden. Er hat schon fast etwas Autistisches an sich, es wird jedoch im Laufe der Geschichte klar, wieso er so ist, und er macht eine enorme Wandlung durch. Seine Erzählungen werden dann auch immer länger, was ich als gelungenes Stilmittel empfand.

Pekka und Esko sind beide auf ihre eigene Art sehr amüsant und liebenswert. Während Pekka eher mit Selbstironie glänzt, fällt Esko durch seine Schrulligkeit auf. Er ist ganz extrem auf seinen Beruf als Zahnarzt fixiert, und so gibt es in diesem Buch unzählige Metaphern, die sich um die Zahnpflege drehen. Diese sind teils skurril und haben mich sehr zum Lachen gebracht. Einige sind aber auch sehr weise. Mir hat das sehr gut gefallen.

Im Laufe der Geschichte treffen die Brüder auf weitere Personen, die auch alle sympathisch und auf ihre Weise einzigartig sind. Mehr möchte ich aber über diese Figuren nicht verraten.

Der Schreibstil ist lebendig, und ich bin wirklich durch das Buch geflogen. Nousiainen hat einen feinen Humor, den ich sehr mochte. Dennoch kommen auch ernste Themen zum Tragen. Allen voran die Frage nach den eigenen Wurzeln, die Suche nach dem Vater und letztendlich nach der eigenen Geschichte. Es ist für die Brüder ein Selbstfindungstrip, der nicht nur Angenehmes zu Tage fördert. Nousiainen schafft den Spagat zwischen Tragik und Komik meisterhaft. Neben den persönlichen Problemen der Protagonisten kommen auch ernste gesellschaftliche Probleme zur Sprache wie das finnische Gesundheitssystem, der Rechtspopulismus in Skandinavien oder die Entmündigung der Aborigines. Und natürlich alle Aspekte der Zahnhygiene!

Auch die Eigenheiten der Finnen werden hier mit einem Augenzwinkern liebevoll skizziert. Ich musste hier öfter schmunzeln. Ich war schon mehrere Male in Finnland, und mir kam doch einiges bekannt vor, das ich während meiner Urlaube mit Staunen oder Kopfschütteln wahrnahm. Selbst unter Skandinaviern gelten die Finnen als skurriles Völkchen. Aber genau das macht die Finnen auch so liebenswert.

Mich hat "Die Wurzel alles Guten" sehr gut unterhalten, und ich habe Esko und Pekka sehr gerne auf ihrer Suche nach dem Vater und sich selbst begleitet. Für mich ist dieses Buch ein kleines Highlight, und ich kann es jedem wärmstens empfehlen.

5 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an LovelyBooks für dieses Rezensionsexemplar!

Montag, 4. September 2017

Off-Topic: "Too Good to Go" - Die App gegen Lebensmittelverschwendung

Hey Leute, ich weiß, das hat jetzt absolut nichts mit Büchern zu tun, aber ich bin gerade begeistert und möchte für so eine gute Sache die Werbetrommel rühren. Und wenn nur einer von euch Gefallen daran findet, hat sich das doch schon gelohnt.

Also ich muss jetzt mal einen kleinen Bericht über die App "Too Good to Go" schreiben, denn ich bin ganz klar für Ressourcenschonung und gegen Lebensmittelverschwendung, und diese App leistet hier einen kleinen, aber wertvollen Beitrag. Aufmerksam geworden bin ich durch einen Bericht bei "Galileo".

Ziel der App ist, dass man übrig gebliebenes Essen in Geschäften (Restaurants, Bäckereien u.ä.) zum kleinen Preis erhält. Man kauft quasi eine Überraschungsbox, die dann befüllt wird mit allerlei Sachen, die noch nicht verkauft wurden. Diese Sachen werden idR weggeschmissen, obwohl sie echt noch gut sind.

Bei uns in Würzburg ist das Angebot leider noch sehr mau. Lediglich die "Bäckerei Brandstetter" macht mit ihren vier Innenstadtfilialen mit. Diese Bäckerei hat eine lange Tradition und ist für hohe Qualität bekannt. Ich habe hier natürlich auch schon oft was gekauft.

Hier gibt es jedenfalls für 3,50 € eine Box bzw. Tüte, die man zwischen 17.45-18.00 Uhr abholen kann. Und weil ich jeden Tag nach der Arbeit sowieso an der größten Filiale in der Marktgasse vorbeilaufe, dachte ich mir heute spontan, ich probiere das jetzt einfach mal aus!

Ich hab mir also die App runtergeladen, was völlig problemlos ging, und dann bin ich erstmal hingedackelt um 17.30 Uhr und hab gefragt, wie das so abläuft. Die Verkäuferin erklärte mir dann, dass ich auf jeden Fall die Box/Tüte über die App vorher kaufen müsse. Das ging dann auch absolut problemlos. Ich hab mich einfach bei PayPal eingeloggt und bekam dann einen Kaufbeleg per Mail und in der App. Diesen hab ich dann vorgezeigt, und dann hat die Verkäuferin mir einfach kunterbunt was eingepackt.


Sie hat mich jetzt nicht gefragt, was ich gerne möchte, sondern einfach gemacht, und ich hab mich auch einfach überraschen lassen wollen. Ich denke aber, wenn man nett fragt, dass man vielleicht auch mal was aussuchen kann oder zumindest etwas ausschließen kann, was man nicht mag.

Es war echt noch viel Essen in der Auslage, und sie meinte, dass das leider fast alles weggeworfen werden muss. Ein paar Sachen kann man noch am nächsten Tag verkaufen, ein paar werden als Schweinefutter weitergegeben. Aber vieles landet einfach im Müll, z. B. belegte Brötchen, da solche Frischwaren nur am gleichen Tag verkauft werden dürfen. Ich finde das schon krass! Ich weiß, dass wir in Deutschland am Bedarf vorbei produzieren und vieles weggeworfen wird. Aber wenn das Zeug direkt vor der Nase steht und man weiß, dass das jetzt alles im Müll landet, ist das nochmal anschaulicher.

Was in meiner Tüte war, könnt ihr hier sehen:


Man muss nicht die einzelnen Preise der Teile kennen, um zu sehen, dass das mehr als 3,50 € wert ist. Allein mit zwei Belegten hat man den Preis schon wieder drin. Von daher lohnt es sich finanziell schonmal auf jeden Fall. Und man trägt einen Teil dazu bei, dass noch gute Lebensmittel nicht weggeschmissen werden.

Die Verkäuferin meinte, dass das Angebot leider nicht so gut angenommen wird. Ich hab auch niemanden sonst gesehen, der eine Box gekauft hat. Das finde ich echt schade. Da wären locker nochmal 10 oder mehr solche Tüten voll geworden!

Einziger Nachteil ist vielleicht, dass man um eine bestimmte Uhrzeit hingehen muss. Mit 17.45-18.00 Uhr ist der zeitliche Rahmen beim Brandstetter natürlich knapp bemessen. Für mich ist das wie gesagt kein Thema, da ich idR mindestens bis 17 Uhr arbeite und das dann gut timen kann.

Also ich fasse mal zusammen, wie es funktioniert: 

 


- App runterladen
- Geschäft aussuchen und Box kaufen 
(Falls wider Erwarten der Laden ausverkauft wird, erhaltet ihr eine
 Nachricht, dass die Bestellung storniert wurde.)
- zur angegebenen Zeit hingehen 
(nicht früher und nicht später, um 17.35 Uhr konnte ich die Box 
noch nicht mitnehmen, und um 18 Uhr macht die Filiale ja zu)
- Kaufbeleg auf Handy vorzeigen
- Box/Tüte mitnehmen
- schlemmen :-)

Wenn ihr in Würzburg wohnt, könnt ihr wie gesagt bislang leider "nur" bei der Bäckerei Brandstetter kaufen, wobei das ja auch schon eine tolle Sache ist. Aber in größeren Städten gibt es teilweise richtig viele Angebote, auch z. B. für Mittagsessen. Einfach mal nachschauen! Ich kann es jedenfalls echt empfehlen und habe mir vorgenommen, das Angebot öfter zu nutzen.

Sonntag, 3. September 2017

Rezension: "Am Ende der Welt ist immer ein Anfang" von Maria von Blumencron

Daten zum Buch:
erschienen am: 20. März 2017
Verlag: Aurum
ISBN: 9783958831643
357 Seiten
Preis: 17,95 € (SC)
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Zum Inhalt:
Dies ist die Geschichte einer erfolgreichen Frau, die mit 50 Jahren die große Chance bekommt, beruflich, wirtschaftlich, familiär und in ihrer Fernbeziehung vollends zu scheitern, um noch einmal ganz von vorne zu beginnen. Es ist die Geschichte einer angeschlagenen Abenteurerin, die ihre Lebensversicherung auflöst, ihre Möbel, Bücher und High-Heels verkauft und sich nach Indien verabschiedet. Weil die Winter dort wärmer sind und das Essen erschwinglicher ... und weil in Indien angeblich ein paar mehr Erleuchtete als in der Kölner Innenstadt zu finden sind.
(Klappentext)

Meine Meinung:
Bekannt war mir Maria von Blumencron bereits als Filmemacherin und Autorin, die das Schicksal tibetischer Flüchtlingskinder dokumentierte und unter anderem zusammen mit einem ihrer fünf tibetischen Patenkinder das Buch "Kein Pfad führt zurück" schrieb, welches ich sehr interessant fand. In diesem Buch jedoch geht es nun nicht um das Engagement der Autorin für Tibet, sondern um die Person Maria von Blumencron.

Als freischaffende Künstlerin in der Film- und Buchbranche hat sie natürlich so einiges zu erzählen, wobei hier nicht der Fokus auf ihrem künstlerischen Schaffen liegt. Es geht um Maria, eine sensible Frau, um ihre Suche nach dem Sinn des Lebens und dem Versuch, irgendwo und bei irgendwem anzukommen. Hierfür ist es auch notwendig, des öfteren in die Vergangenheit zurückzublicken, denn Maria leidet an vielen alten, teils noch offenen Wunden. Der Verlust der Mutter, die sie schon als Kind verließ und sich das Leben nahm, bevor es zu einem Treffen kommen konnte. Ein Missbrauch in der Kindheit. Das gespaltene Verhältnis zum Vater und der Stiefmutter. 

Die Autorin legt hier einen regelrechten Seelenstriptease hin, benennt ganz klar ihre Macken, Fehler und Probleme. Sie verfällt dabei nicht ins Jammern, sondern ist selbstkritisch und selbstironisch. Das hat mir gut gefallen. Auch schafft sie es meist, selbst über sehr ernste Themen immer noch eine Prise Humor zu streuen. So ist der Schreibstil recht unterhaltsam und kurzweilig. Manchmal fand ich ihn aber auch zu blumig und pseudo-philosophisch. Vor allem die "Selbstgespräche" mit ihrer Seele oder ihrem Alter Ego "Lucy" lasen sich eher zäh und befremdlich und wirkten erzwungen lustig.

Einen hohen Stellenwert nimmt hier das Spirituelle und Esoterische ein. Auf der Suche nach Frieden, Erleuchtung oder was auch immer ist Maria ruhe- und rastlos und geradezu auf der Flucht. Gerade im letzten Drittel wurde mir ihr munteres Gespringe durch allerlei Glaubensrichtungen zu anstrengend und das Lesen machte mir sichtlich weniger Spaß als vorher. Vielleicht lag es daran, dass ich mit diesen spirituellen Dingen nicht viel anfangen kann, aber es ist nicht so, dass ich Spiritualität und Esoterik per se nicht offen gegenüber stehe. Z. B. fand ich den Guru Mooji sehr interessant und habe mir vorgenommen, mir ein Buch von ihm zu besorgen, da ich seine Wirkung auf Menschen nachvollziehen möchte. Und in vielen Lehren stecken ja auch ganz viele faszinierende und hilfreiche Ansätze drin. Anfangs dachte ich noch, es sei ja eine gute Sache, wenn man allen Religionen und Lehren gegenüber offen ist und für sich das Beste aus allem herauszieht. 

Mich hat aber diese unglaubliche Flatterhaftigkeit der Autorin angestrengt. Sie kriegt auf der einen Seite viele Dinge nicht gebacken, die meiner Meinung nach wichtig sind (ein gutes Verhältnis zum Sohn, Kontaktaufnahme zum Vater und zur Stiefmutter, minimaler Verdienst, um die Grundkosten decken zu können), auf der anderen Seite scheut sie weder Kosten noch Mühe, sobald sie hört, dass es hier ein spirituelles Seminar gibt, dort ein toller Yogi lehrt. Lebensbäume zeichnen, reinigende Massagen anbieten - sie brennt jedes Mal aufs Neue für irgendwas, das ihr zufällig über den Weg läuft, aber nichts ist beständig. Auch verliebt sie sich in diesem Buch in zwei Männer, die sich ebenfalls wie sie dem Spirituellen verschrieben haben, und beginnt sofort ohne näheres Kennenlernen eine Beziehung mit ihnen. So etwas kann ich auch schwer nachvollziehen, auch wenn es im zweiten Fall wohl tatsächlich etwas Dauerhaftes geworden ist.

Geld ist auch oft ein Thema. Auf der einen Seite hat sie mit ihren Filmen und Büchern schon einiges verdient, so dass Steuerschulden im fünfstelligen Bereich auflaufen, auf der anderen Seite hat sie meistens nichtmal Geld, um ihre Miete zu zahlen oder sich Essen zu kaufen. Wenn dann aber jemand sagt: "Hey, komm nach Indien, da hält Meister XY tolle Satsangs ab!", dann ruft ganz plötzlich jemand an und kommt auf die Idee, ihr ein paar Tausend Euro zu schenken und sie sitzt im nächsten Flieger. Spontaneität ist toll, ganz klar. Aber mir war das immer zu extrem, denn es ist ja nicht so, dass sie nicht auch anderweitig Verpflichtungen hätte. So wird auch immer das schlechte Verhältnis zum Sohn, der beim Vater lebt, kurz erwähnt. Und man muss sich da nicht so wirklich wundern, wieso das Verhältnis schlecht ist, denn über ihre extensive Sinnsuche stellt die Autorin alles Andere hintenan. Vielleicht tue ich Maria von Blumencron damit total Unrecht - auch da sie im Rahmen einer Leserunde erwähnte, dass ihr Sohn selten vorkommt, weil sie ihr nahe stehende Personen schützen will. (Dies ist jedoch "Insiderwissen", dass der normale Leser nicht hat.) Aber so kommt es nunmal für mich als Leserin rüber und das ist meine Meinung dazu.

Im Vorwort erfährt man, dass die Autorin hier zwar ihre Lebensgeschichte wiedergibt, sie schränkt jedoch ein: "Dort, wo es galt die Besetzung meines Roadmovies zu schützen, habe ich mich entschieden wahrhaftig, statt entblößend zu sein. Und was die 'ultimative Wahrheit' betrifft, so findet sich diese sowieso meistens zwischen den Zeilen. Was wir für die Realität halten, ist nur das Spiel auf der Bühne." Man kann das Buch also auch als Roman verstehen. Ich persönlich habe es jedoch als Autobiographie betrachtet und das macht es vielleicht stellenweise schwerer, Maria und ihr Handeln zu verstehen. Und so wollte ich öfter einfach mal den Kopf oder die Autorin selbst schütteln.

Mein persönliches Fazit: Maria von Blumencron ist eine sehr interessante Persönlichkeit, die viel zu erzählen hat. Trotz meiner Kritikpunkte ist sie eine sympathische Person, der man wünscht, dass sie endlich dort ankommt, wo sie hinmöchte. Das Buch liest sich sehr flüssig und kurzweilig, es ist auf jeden Fall unterhaltsam. Mir war der Erzählstil jedoch zu sprunghaft, und die spirituelle Sinnsuche (oder wie man das nennen mag) nahm viel zu viel Platz ein. Wer sich dafür jedoch interessiert, wird mit dem Buch mehr Freude haben als ich. Deshalb gebe ich nur eine eingeschränkte Leseempfehlung für "Am Ende der Welt ist immer ein Anfang" ab, sondern lege alternativ ihre anderen Bücher über Tibet ans Herz.  

3 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an den Verlag "steinbach sprechende bücher" für dieses Rezensionsexemplar!